Redliche Tiergefährten -
Baron_Friedel
2026-07-31 16:41:28
| #13
Werte Herrschaften,
es ist sicherlich gemeinhin bekannt, daß kaum ein Steckenpferd soviel Zeit und Raum im Leben unserer Landsleute okkupiert wie die Hege der eigenen Tiergefährten. Dabei muß ich immer wieder erschrocken beobachten, daß zwar eine große Lust zur Anschaffung eines Tieres vorhanden ist, hingegen nur selten profundes Hintergrundwissen, welche Gattungen überhaupt mit dem einzigen maßgeblichen Lebensziel - nämlich dem der Sittsamkeit - kompatibel sind.
Daher dieser Faden. Als moralische Schlüsselfiguren ist es zweifellos an uns, der Jugend eine Handreichung, ja, ein Vademekum an die Hand zu geben, das alle Verwirrung zu diesem Thema beseitigt.
Mein Vorschlag: Jeder redliche Brettgast trägt ein unredliches Haustier und eine redliche Alternative bei. Ich möchte den Anfang machen:
Unredlich: Katzen
Was kann an dieser Stelle über die garstigen Feliden gesagt werden, was nicht schon von zahllosen seriösen Inquisitoren, Hexenjägern und amerikanischen Vizepräsidenten tausendfach angemerkt wurde? Die vermeintlich possierlichen Fellträger gelten nicht umsonst seit Menschengedenken als Wappentiere der Hexerei und des Satans. Insbesondere weibliche Tierhalter werden durch ihre schiere Präsenz zu sonderbaren Katzenfrauen, oder, je nach Magiebegabung, zu Hexen oder Zauberinnen, die ständig abscheuliche Wörter wie "Fellnasen" im Munde führen. Mehr ist in diesem Fall wohl kaum noch zu sagen.
Redlich: Silberfische
Eigentlich ist dieser nützliche Hausgast das diametrale Gegenteil des felligen Schädlings aus dem letzten Absatz. Sein Ruf ist nämlich denkbar schlecht, was seinem wahren Charakter nicht im entferntesten gerecht wird. Vielleicht liegt diese mangelnde Popularität auch am starken Eigenwillen dieser Schuppentiere. Während die meisten Haustiere angeschafft werden, sucht sich der Silberfisch seinen Halter selbst aus. Und dabei ist er sehr diskret: Am Tag wird der neue Besitzer zunächst oftmals gar nichts von seinem neuen Gefährten bemerken - erst beim nächtlichen Klosettbesuch verlässt dieser sein Versteck und erfreut seinen Halter mit einem anmutigen Tänzchen.
Wenn man es näher betrachtet, gleicht der Silberfisch sogar dem Heiland: Auch er kann jederzeit an die Tür klopfen und Einlass erbitten. Wir sollten ihm nicht die Tür weisen - und seinem silbernen Boten das Brot unserer Hautschuppen brechen. Amen!
Ihr Baron Friedel